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Ferienzeit in Pflegefamilien: Wie Erholung gelingt, ohne Sicherheit zu verlieren

Von LEBENSRÄUME  |  26. Juli 2026Von LEBENSRÄUME
10. Juni 2026
Eine Pflegefamilie beim entspannten Picknick an einem See im Sommer, ein Elternteil liest dem Kind aus einem Buch vor.

Ferien klingen nach Leichtigkeit. Nach Ausschlafen, Sand zwischen den Zehen, Eis am Nachmittag und Tagen, die nicht von Kita, Schule, Terminen oder Hilfeplangesprächen bestimmt sind. Für Pflegefamilien kann diese Zeit tatsächlich eine wohltuende Unterbrechung sein: mehr gemeinsames Leben, weniger äußere Anforderungen, neue Erinnerungen. Gleichzeitig wissen viele Pflegeeltern, dass Ferien nicht automatisch Entspannung bedeuten. Gerade wenn ein Kind frühe Unsicherheit, Trennung, Vernachlässigung oder Gewalt erlebt hat, kann jede Veränderung im Tagesablauf auch Verunsicherung auslösen.

Das ist kein Widerspruch, sondern ein wichtiger Ausgangspunkt. Erholung gelingt in Pflegefamilien nicht dadurch, dass Sicherheit für ein paar Wochen ausgesetzt wird. Sie gelingt dadurch, dass Sicherheit mit in die Ferien reist. Pflegekinder brauchen nicht perfekte Urlaube, sondern Erwachsene, die vorhersehbar, erreichbar und innerlich präsent bleiben. Fachlich wird immer wieder betont, dass äußere Sicherheit eine zentrale Voraussetzung dafür ist, dass Kinder innere Sicherheit entwickeln können. Genau deshalb lohnt es sich, Ferien nicht nur als Freizeitprojekt zu planen, sondern als Beziehungszeit, in der Entspannung und Schutz zusammengehören.

Ferien beginnen nicht am Abreisetag, sondern in der Vorbereitung

Viele Familien denken bei Ferienvorbereitung zuerst an Packlisten, Buchungsbestätigungen und Reiseapotheke. Pflegefamilien brauchen oft eine zweite Vorbereitungsebene: die emotionale Vorbereitung. Für ein Pflegekind kann eine Reise bedeuten, dass vertraute Orte, Gerüche, Abläufe und Rückzugsmöglichkeiten plötzlich fehlen. Auch schöne Vorhaben können sich dann nicht wie Vorfreude anfühlen, sondern wie Kontrollverlust.

Hilfreich ist deshalb, frühzeitig und ruhig über die Ferien zu sprechen. Pflegeeltern können zeigen, wohin es geht, wie lange die Familie bleibt, wer mitkommt, wo geschlafen wird und wann es wieder nach Hause geht. Ein Kalender, Fotos der Unterkunft oder eine kleine Reiseroute machen das Unbekannte greifbarer. Manche Kinder fragen immer wieder dasselbe. Das ist nicht mangelndes Zuhören, sondern oft der Versuch, Sicherheit durch Wiederholung aufzubauen.

Wichtig ist, ehrlich zu bleiben. Sätze wie „Das wird ganz toll, du wirst sehen“ können Druck erzeugen. Besser ist eine Sprache, die Sicherheit vermittelt, ohne Gefühle vorzuschreiben: „Wir fahren an einen anderen Ort. Manche Dinge werden anders sein. Wir bleiben zusammen. Wenn dir etwas zu viel wird, helfen wir dir.“ So entsteht ein innerer Rahmen. Das Kind muss nicht schon vor der Reise entspannt sein. Es darf vorsichtig, skeptisch oder ambivalent bleiben.

Der sichere Ort muss nicht perfekt sein, aber wiedererkennbar

Pflegekinder brauchen im Urlaub nicht dieselbe Umgebung wie zu Hause. Aber sie brauchen etwas, das sich vertraut anfühlt. Ein sicherer Ort entsteht nicht nur durch Wände, sondern durch Wiedererkennbarkeit. Das kann die eigene Decke sein, ein Kuscheltier, ein Nachtlicht, ein Lieblingsbecher oder die Gewissheit, dass ein vertrauter Erwachsener abends erreichbar bleibt.

Gerade beim Schlafen zeigt sich häufig, wie viel innere Sicherheit ein Kind gerade zur Verfügung hat. Ein fremdes Zimmer, ungewohnte Geräusche oder ein anderer Geruch können Ängste aktivieren. Pflegeeltern sollten deshalb Schlafsituationen nicht nur praktisch, sondern bindungsorientiert planen. Manche Kinder schaffen ein eigenes Zimmer gut. Andere brauchen in den ersten Nächten mehr Nähe. Wieder andere wollen Nähe, können sie aber nicht gut annehmen und reagieren mit Albernheit, Wut oder Rückzug. Hier hilft weniger die Frage, was „altersgemäß“ wäre, sondern was diesem Kind jetzt hilft, sich zu regulieren.

Ein wiedererkennbarer sicherer Ort kann auch unterwegs entstehen. Vielleicht gibt es im Ferienhaus eine bestimmte Sofaecke, die zur Ruhezone erklärt wird. Vielleicht liegt im Auto eine kleine Tasche mit vertrauten Dingen. Vielleicht gibt es am Strand eine klare Verabredung: „Wenn du eine Pause brauchst, kommst du zu diesem Handtuch.“ Solche einfachen Markierungen geben Orientierung, ohne den Urlaub eng zu machen.

Weniger Programm schafft oft mehr Erholung

Viele Familien möchten Ferien nutzen, um endlich etwas Besonderes zu erleben. Ausflüge, Freizeitparks, Besuche, Schwimmbad, Stadtbummel, Restaurant, Fahrradtour: Alles kann schön sein. Für Pflegekinder kann zu viel Schönes aber trotzdem zu viel sein. Das Nervensystem unterscheidet nicht immer fein zwischen positiver und negativer Aufregung. Beides kann Anspannung erzeugen.

Deshalb ist es hilfreich, Ferien nicht als Liste von Höhepunkten zu planen, sondern als Raum für dosierte Erfahrungen. Ein guter Ferientag braucht nicht drei Programmpunkte. Manchmal ist ein halber Tag am Wasser und ein ruhiger Nachmittag in der Unterkunft mehr wert als ein durchgetakteter Erlebnisplan. Pflegeeltern dürfen sich dabei von der Vorstellung lösen, ein gelungener Urlaub müsse möglichst viel bieten. Für manche Kinder ist bereits der Tapetenwechsel eine große Leistung.

Eine einfache Orientierung kann lauten: Nach jeder neuen Erfahrung braucht es eine Phase der Vertrautheit. Nach dem Ausflug kommt das bekannte Abendessen. Nach dem Strandtag kommt die ruhige Vorlesezeit. Nach dem Besuch bei Verwandten kommt ein Tag ohne Termine. Traumapädagogische Ansätze betonen, dass Kinder Unterstützung brauchen, um Anspannung zu regulieren und sich im Hier und Jetzt sicher zu fühlen.

Verlässliche Regeln bleiben bestehen, werden aber freundlich erklärt

Ferien bedeuten Ausnahmezeit. Später ins Bett gehen, mehr Eis essen, andere Kleidung tragen, länger draußen sein: Viele Lockerungen gehören dazu. Pflegekinder brauchen solche schönen Ausnahmen ebenfalls. Aber sie brauchen zugleich Erwachsene, die grundlegende Regeln nicht plötzlich auflösen. Denn wenn alles anders wird, kann Freiheit schnell bedrohlich wirken.

Verlässliche Regeln geben dem Kind eine Botschaft: Die Erwachsenen bleiben zuständig. Sie passen auf. Sie verlieren sich nicht in Ferienstimmung. Besonders wichtig sind Regeln zu Schlaf, Medien, Nähe und Distanz, Wasser, Verkehr, Geld, Kontakt zu Fremden und Umgang mit Konflikten. Diese Regeln sollten nicht streng inszeniert, sondern ruhig erklärt werden. „Am Wasser bleibst du in Sichtweite“ ist kein Misstrauen, sondern Schutz. „Wenn du wütend bist, darfst du wütend sein, aber du schlägst niemanden“ ist keine Härte, sondern Orientierung.

Ferien sind auch eine gute Gelegenheit, Regeln gemeinsam zu übersetzen. In der Ferienwohnung gelten vielleicht andere Dinge als zu Hause: Schuhe ausziehen, Türen abschließen, leise sein wegen Nachbarn, keine fremden Tiere anfassen. Kinder kooperieren eher, wenn sie wissen, warum eine Regel gilt. Noch besser ist es, wenn sie eine kleine Rolle bekommen: den Schlüsselplatz merken, den Strandbereich mit aussuchen, beim Packen der Badetasche helfen. Selbstwirksamkeit kann Sicherheit stärken, wenn sie gut dosiert ist.2

 

Gefühle dürfen mitreisen

Manche Pflegeeltern hoffen verständlicherweise, dass im Urlaub endlich Ruhe einkehrt. Keine Schule, weniger Termine, mehr Zeit miteinander. Doch häufig kommen gerade dann Gefühle hoch, die im Alltag überdeckt waren. Ein Kind wird anhänglicher, provozierender, trauriger oder kontrollierender. Es sagt, dass der Urlaub blöd ist, obwohl es sich vorher gefreut hat. Es sucht Streit vor schönen Momenten oder wirkt nach einem gelungenen Tag plötzlich untröstlich.

Das kann irritieren. Es hilft, solche Reaktionen nicht vorschnell als Undankbarkeit oder Absicht zu deuten. Für Kinder mit belastenden Vorerfahrungen können schöne Situationen alte innere Fragen berühren: Darf ich bleiben? Wird das wieder weggenommen? Muss ich mich entscheiden zwischen Pflegefamilie und Herkunftsfamilie? Ist Nähe sicher? Kann ich mich freuen, ohne jemanden zu verraten? Pflegekinder sollen ihre leiblichen Eltern weiterhin lieben und vermissen dürfen; diese innere Loyalität verschwindet nicht, nur weil Ferien sind.2

Eine hilfreiche Haltung lautet: Gefühle sind erlaubt, Verhalten wird begleitet. Das Kind darf Heimweh haben, auch wenn es eigentlich in der Pflegefamilie zu Hause ist. Es darf seine Herkunftsfamilie vermissen. Es darf wütend sein, dass andere Kinder scheinbar unkomplizierter reisen. Pflegeeltern müssen nicht jedes Gefühl wegmachen. Sie können es benennen, halten und begrenzen, wenn Verhalten verletzend wird.

 

Kontakte zur Herkunftsfamilie brauchen Planung und Schutz

Ferien verändern oft auch Kontaktregelungen. Manchmal finden Umgangskontakte vor der Abreise statt, manchmal werden sie verschoben, manchmal gibt es Telefonate, Nachrichten oder Urlaubsgrüße. Für manche Kinder ist das beruhigend. Für andere kann es starke Unruhe auslösen. Pflegeeltern sollten Herkunftskontakte deshalb nicht nebenbei behandeln, sondern bewusst planen.

Zunächst braucht es Klarheit mit den zuständigen Fachkräften: Welche Kontakte sind vereinbart? Was ist in den Ferien realistisch? Wer informiert wen? Was passiert, wenn ein Telefonat ausfällt oder ein Elternteil spontan mehr Kontakt möchte? Solche Fragen sollten möglichst vor dem Urlaub geklärt werden, nicht erst aus der Ferienwohnung heraus. Pflegeeltern sind nicht dafür verantwortlich, allein schwierige Loyalitätskonflikte zu lösen. Sie brauchen ein verlässliches Netzwerk und klare Absprachen.

Für das Kind ist besonders wichtig, dass Erwachsene nicht abwertend über die Herkunftsfamilie sprechen. Gleichzeitig darf Schutz nicht relativiert werden. Anerkennung der leiblichen Eltern bedeutet nicht, Risiken zu verharmlosen. Ein Satz kann beides enthalten: „Du darfst Mama vermissen. Und wir achten darauf, dass der Kontakt so stattfindet, dass du danach gut begleitet bist.“ Nach Kontakten braucht es oft Erholungszeit. Ein Telefonat kann äußerlich kurz sein und innerlich lange nachwirken.

 

Pflegeeltern brauchen eigene Erholung, nicht nur Funktionsfähigkeit

Pflegefamilien leisten im Alltag viel unsichtbare Arbeit. Sie regulieren, übersetzen, erklären, halten aus, telefonieren, dokumentieren, kooperieren mit Jugendhilfe, Schule, Therapie und Herkunftssystem. In den Ferien fällt manches davon weg, anderes verdichtet sich. Denn wenn alle mehr Zeit miteinander verbringen, treten Beziehungsthemen oft deutlicher hervor.

Deshalb ist es wichtig, die Erholung der Pflegeeltern nicht als Nebensache zu betrachten. Kinder spüren, ob Erwachsene innerlich verfügbar sind. Fachliche Beiträge zur Pflegekinderhilfe beschreiben Beständigkeit, Gelassenheit und Einfühlsamkeit der Pflegeeltern als bedeutsame Faktoren für erlebte Sicherheit.1 Diese Qualitäten entstehen nicht aus dauerhafter Überforderung. Sie brauchen Schlaf, Pausen, Austausch und realistische Erwartungen.

Pflegeeltern sollten vor den Ferien ehrlich fragen: Was brauchen wir, damit wir nicht nur funktionieren? Brauchen wir eine Unterkunft mit Rückzugsmöglichkeiten? Ist eine Reise mit befreundeten Erwachsenen hilfreich oder eher zusätzlicher Stress? Können Großeltern, Freunde oder andere vertraute Personen entlasten? Ist es klüger, dieses Jahr näher am Zuhause zu bleiben? Auch Paarzeiten oder Einzelzeiten mit leiblichen Kindern sollten mitgedacht werden. Selbstfürsorge ist in Pflegefamilien kein Wellnessbegriff, sondern ein Schutzfaktor für alle.

Krisen sind keine Urlaubsniederlage, sondern Beziehungsmomente

Viele Pflegeeltern kennen die Sorge: Was, wenn es im Urlaub eskaliert? Was, wenn das Kind schreit, wegläuft, einnässt, stiehlt, lügt, klammert oder andere beschämt? Ferien erhöhen die Sichtbarkeit familiärer Dynamiken. Das kann Druck erzeugen, besonders wenn Nachbarn, Hotelgäste oder Verwandte zuschauen.

Hilfreich ist ein Krisenplan, der nicht dramatisch, sondern praktisch ist. Wer übernimmt in einer Eskalation die Führung? Wer bleibt bei den anderen Kindern? Wo gibt es einen ruhigen Ort? Welche Sätze helfen dem Kind? Welche Sätze verschlimmern die Lage? Welche Fachkraft wäre im Notfall erreichbar? Ein solcher Plan bedeutet nicht, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Er bedeutet, sich selbst Handlungssicherheit zu geben.

In akuten Momenten geht es zuerst um Sicherheit und Regulation, nicht um Einsicht. Ein überflutetes Kind kann keine langen Erklärungen aufnehmen. Kurze Sätze helfen mehr: „Stopp. Ich lasse nicht zu, dass du dich verletzt.“ „Ich bin hier.“ „Wir gehen jetzt an einen ruhigeren Ort.“ Später, wenn das Kind wieder erreichbar ist, kann nachbesprochen werden. Dann geht es nicht um Beschämung, sondern um Verstehen und Lernen: Was war zu viel? Was hat geholfen? Was machen wir beim nächsten Mal anders?

Schöne Erinnerungen dürfen klein anfangen

Pflegefamilien wünschen sich oft, dass Kinder schöne Erfahrungen sammeln, die frühere Belastungen nicht auslöschen, aber ergänzen. Ferien können solche neuen Erinnerungen ermöglichen. Doch gerade hier lohnt sich Behutsamkeit. Nicht jedes Kind kann Freude sofort zeigen. Manche zerstören scheinbar schöne Momente, weil sie schwer auszuhalten sind. Andere wirken unbeteiligt und erzählen erst Wochen später, was ihnen gefallen hat.

Deshalb sollten Pflegeeltern schöne Erinnerungen nicht erzwingen. Ein Fotoalbum, eine kleine Muschel, ein gemeinsames Lied im Auto, ein immer gleicher Pfannkuchenmorgen oder ein Abendspaziergang können bedeutsamer sein als das große Highlight. Wichtig ist, dass das Kind nicht beweisen muss, wie dankbar oder glücklich es ist. Freude darf leise sein.

Es kann helfen, am Ende eines Tages eine kleine, offene Frage zu stellen: „Was war heute okay?“ Nicht: „Was war am schönsten?“ Denn Superlative überfordern manche Kinder. „Okay“ ist niedrigschwelliger. Auch Pflegeeltern können etwas teilen: „Ich mochte, wie wir vorhin zusammen im Wasser waren.“ So werden positive Momente benannt, ohne sie zu verklären. Schöne Erinnerungen entstehen oft dort, wo Sicherheit nicht erklärt, sondern erlebt wird.

 

Die Rückkehr verdient genauso viel Aufmerksamkeit wie die Abreise

Viele Familien unterschätzen die Rückkehr. Der Urlaub ist vorbei, die Taschen stehen im Flur, die Waschmaschine läuft, der Alltag ruft. Für Pflegekinder kann gerade dieser Übergang schwierig sein. Nach der Anspannung der Reise, den neuen Eindrücken und vielleicht auch schönen Momenten kommt das Zurück. Manche Kinder reagieren erleichtert, andere gereizt, traurig oder besonders unruhig.

Deshalb sollte die Rückkehr nicht zu abrupt gestaltet werden, wenn es vermeidbar ist. Ein Puffertag vor Schule oder Kita kann viel entlasten. Auch zu Hause helfen vertraute Abläufe: Lieblingsessen, ruhiges Auspacken, früher Abend, keine großen Zusatztermine. Das Kind braucht Zeit, um innerlich wieder anzukommen. Manche Kinder prüfen nach Ferien besonders stark, ob das Zuhause noch sicher ist. Sie suchen Grenzen, Nähe oder Konflikte. Das kann anstrengend sein, ist aber nicht ungewöhnlich.

Eine Nachbesprechung sollte nicht wie eine Bewertung klingen. Es geht nicht darum, ob der Urlaub „gut geklappt“ hat. Es geht darum, Erfahrungen einzuordnen. Pflegeeltern können sagen: „Es gab schöne Momente und schwierige Momente. Wir haben beides geschafft.“ Diese Botschaft ist stark, weil sie die Realität nicht beschönigt und trotzdem Halt gibt. So wird der Urlaub Teil der Familienbiografie: nicht perfekt, nicht konfliktfrei, aber gemeinsam erlebt.

 

Fazit: Erholung braucht Halt

Ferien in Pflegefamilien gelingen nicht, weil alles leicht ist. Sie gelingen, wenn Erwachsene verstehen, dass Erholung und Sicherheit keine Gegensätze sind. Pflegekinder brauchen in der freien Zeit nicht weniger Halt, sondern einen Halt, der beweglich genug ist, um neue Erfahrungen zu ermöglichen. Vorbereitung, Wiedererkennbarkeit, klare Regeln, dosiertes Programm, begleitete Gefühle, gut geplante Herkunftskontakte, Selbstfürsorge der Pflegeeltern, Krisenpläne, kleine Rituale und eine bewusste Rückkehr bilden zusammen einen Rahmen, in dem Entspannung wachsen kann.

Vielleicht ist der wichtigste Gedanke: Ferien müssen nicht beweisen, dass eine Pflegefamilie „normal“ funktioniert. Sie dürfen zeigen, wie diese Familie ihren eigenen Weg findet. Manchmal besteht Erholung darin, gemeinsam am Meer zu lachen. Manchmal darin, einen Ausflug abzusagen. Manchmal darin, nach einem Wutanfall wieder nebeneinander auf dem Sofa zu sitzen. Und manchmal darin, dass ein Kind am Ende nicht sagt: „Es war toll“, sondern nur etwas ruhiger wirkt als zuvor.

Das ist nicht wenig. Für ein Kind, das Sicherheit nicht selbstverständlich gelernt hat, kann genau das sehr viel sein. Ferienzeit wird dann zu einer Einladung: Du darfst Neues erleben, ohne den Halt zu verlieren. Du darfst dich freuen, zweifeln, vermissen, wütend sein und wieder zur Ruhe kommen. Wir bleiben da. Und wir nehmen unsere Sicherheit mit.

 

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